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Gelebte Teilhabe auf dem Wacken Open Air

by HandicapX

Sunrise Medical und ThiesMediCenter unterstützten vor Ort Menschen mit Mobilitätseinschränkungen

Malsch bei Heidelberg, 16. August 2016.

Viele kleinere Reparaturen, reichlich Schlamm und unzählige nette Gespräche – so lautet das Fazit des Serviceteams von Sunrise Medical nach dem dreitägigen Wacken Open Air, dem weltgrößten Metal-Event. In Zusammenarbeit mit dem Sanitätshaus ThiesMediCenter bot das vierköpfige Mitarbeiterteam von Sunrise Medical bei Bedarf technische Hilfe für Metalheads mit Mobilitätseinschränkungen. Ein Angebot, dass großen Anklang bei den Rollstuhlnutzern fand.
Plattfüße waren eine der häufigsten Reparaturen, die das Serviceteam während des Festivals durchführte. Da es in diesem Jahr reichlich Regen gab, zwang auch der Schlamm viele Metal-Fans den eigens eingerichteten Servicestand aufzusuchen. Dann hieß es Räder, Bremsen usw. von der Erde zu befreien, um den Rollstuhl wieder funktionstüchtig zu machen. „Coole Aktion“, brachte es ein Metalhead auf dem Punkt. Er ließ sich die Batterie seines Elektrorollstuhls aufladen, damit es wieder schnell zum nächsten Konzert gehen konnte. Mit Leihrollstühlen unterstützen die Mitarbeiter des Servicestandes auch das Deutsche Rote Kreuz, wenn es darum ging, gesundheitlich angeschlagene Metal-Fans zu transportieren. Damit die Helfer in Zukunft besser ausgerüstet sind, spendete Sunrise Medical vier Rollstühle an das Deutsche Rote Kreuz.
Seit Jahren ist den Betreibern des Wacken Open Air Inklusion ein wichtiges Anliegen. Die Mitarbeiter von Sunrise Medical hatten während der Festivaltage Gelegenheit mit Drees Ringert, Head of Sponsoring des Wacken Open Air, über dieses Thema zu sprechen. Dabei berichtete er auch von seinen Erfahrungen mit dem Attitude der Marke Sopur, dass dem Rollstuhlnutzer während des Festivals zur Verfügung stand.

 

 

Das Wacken Open Air (WOA) gilt im Bereich Inklusion als Vorreiter in der Festival-Landschaft. Wie kam es zu dem Engagement?

Drees Ringert: Menschen mit Behinderung waren auf dem WOA schon immer gern gesehene Gäste – es wurden hier von Anfang an keine Unterschiede gemacht. In den frühen Jahren gab es allerdings noch keine Einrichtungen wie Podeste oder spezielle Campingflächen. In diesem Jahr wurde dazu erstmalig ein komplettes Konzept für das Festival erarbeitet. Es geht hierbei nicht allein um die Teilhabe im Rollstuhl, sondern bezieht auch Menschen mit anderen Einschränkungen ein. Es ist ganz normal, dass ein solches Konzept ständig erneuert werden muss. Wichtig ist den Veranstaltern zudem die Meinung der Besucher mit Handicap. Und so haben sie ein offenes Ohr für alle Fragen und Anregungen. Im Vorfeld zum WOA 2016 gab es rund 300 Anrufe und Mails; während des Festivals waren es etwa 150 Anrufe und unzählige persönliche Anfragen.

Welche rollstuhlgerechten Einrichtungen und speziellen Services gab es für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen auf dem Festivalgelände?

Drees Ringert: Auf dem Gelände waren vier Podeste für Menschen mit einem Handicap vorhanden. Diese befanden sich vor den Hauptbühnen sowie im Zelt der Bullhead City und ermöglichten nicht nur Rollstuhlfahrern ein Konzert zu genießen, sondern auch Blinde und Besucher mit Gehbehinderung konnten diese Einrichtungen nutzen. Zudem wurde der Biergarten sowie das WO-Art Zelt mit Rampen ausgestattet. Auf dem gesamten Gelände verteilt und an den Podesten befanden sich behindertengerechte Mobil-Toiletten. In der Wheels of Steel Area gab es zusätzlich noch zwei Toiletten-Container, welche ständig gereinigt wurden und auch eine Möglichkeit zum Duschen boten. Die Wheels of Steel (ehemals Campingplatz A) war aufgrund der günstigen Lage für Menschen mit Behinderung reserviert. So konnten die Wege sehr kurz gehalten werden.
Außerdem gab es erstmalig die Festival-Assistenten und Begleitpersonen, welche als Ansprechpartner und Helfer vor Ort waren. Des Weiteren wurde ein Reparaturservice für Rollstühle von Sunrise Medical in Kooperation mit ThiesMediCenter eingerichtet, wo Rollstuhlfahrer ihre Hilfsmittel wieder fit machen lassen konnten. Das Deutsche Rote Kreuz bot die Möglichkeit Medikamente einzulagern an, zum Beispiel für Diabetiker. Auch die Anreise mit Niederflurbussen war möglich. Zudem waren mehrere Rollstuhltaxis unterwegs.

Konnten Metalheads mit Handicap in diesem Jahr Neuerungen nutzen?

Drees Ringert: Inklusion Muss Laut Sein stand als Ansprechpartner schon drei Monate vor dem Festival täglich für Anfragen der Besucher mit Handicap bereit. Dieser Service wurde sehr gut angenommen. Vor allem da es in den letzten Jahren nur einmal die Woche für zwei Stunden die Möglichkeit gab, Rat zu suchen. Auch die Assistenten und Begleitpersonen von Inklusion Muss Laut Sein waren eine Neuerung. Über dieses Netzwerk konnten Besucher mit Handicap, die keine Begleitperson hatten, trotzdem eine Begleitperson finden. Die dadurch neu entstandenen Freundschaften sind ein positiver Nebeneffekt dieser Aktion. Die Assistenten vor Ort standen für große und kleine Wünsche bereit und trugen sogar Rollstuhlfahrer zu den Podesten, verkürzten Wege und kümmerten sich als Bindeglied um Sorgen und Nöte.

Sie hatten in diesem Jahr Gelegenheit, das Attitude vom Rollstuhlhersteller Sunrise Medical während des Wacken Open Air zu testen. Wie waren Ihre Erfahrungen mit dem anklemmbaren Handbike? Welche Antriebsoption haben Sie genutzt?

Drees Ringert: Hauptsächlich habe ich das Attitude Power der Marke Sopur genutzt, da ich durch meine Arbeit auf dem Festival oft eine freie Hand frei brauche. Meine Erfahrungen waren in diesem Zusammenhang sehr gut. Ich war positiv überrascht, dass das Attitude selbst durch den tiefen Schlamm im Eingangsbereich des Festivals kam. Voraussetzung dafür war allerdings eine zweite Handbike-Achse an meinem Rollstuhl. Ohne diese hätte es oft an Traktion gefehlt, sobald man abseits der befestigten Wege unterwegs war. Lediglich bei zu tiefen Schlammgruben mussten mir die Festivalbesucher ab und zu helfen. Da aber Metalheads von Natur aus hilfsbereit sind, war dies überhaupt kein Problem.
Das Adaptionssystem hat mir ebenfalls sehr gut gefallen. Am Rollstuhl müssen keine großen Halterungen angebracht werden und das Anschnallen des Zuggeräts geht innerhalb von Sekunden. Zwei Kritikpunkte gibt es allerdings. Zum einen ist der An/Aus-Schalter ungünstig angebracht. Dieser befindet sich am vordersten Ende des Gerätes und ist nur zu bedienen, wenn das Gerät noch nicht angeschnallt ist. Ich habe des Öfteren vergessen das Gerät vor dem Anschnallen einzuschalten und musste somit den Rollstuhl erst wieder vom Gerät lösen, damit ich das Gerät einschalten kann. Der zweite Kritikpunk betrifft das Schutzblech, da bei den Extrembedingungen durch den Regen an seine Grenzen gestoßen ist. Es hielt leider nicht ausreichend den Schlamm des schleswig-holsteinischem Ackerbodens ab. Als ich durch den Schlamm gefahren bin, wurden meine Schuhe buchstäblich unter dem Matsch begraben. Unterm Strich konnte ich aber alle Örtlichkeiten erreichen. Und die Schuhe der anderen Festivalbesucher sahen auch nicht besser aus.

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