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Phil Hubbe: Karikaturist aus Leidenschaft

by HandicapX

Der 1966 geborene und 1985 an Multiple Sklerose erkrankte Phil Hubbe machte vor mehr als 20 Jahren sein Hobby, das Zeichnen, zum Beruf. Seitdem zeichnet er unter anderem die bekannten „Behinderten-Cartoons,“ welche auch vom Humorverlag Lappan in Sammelbänden veröffentlicht werden.  Uns beantwortet Phil einige spannende Fragen über die Inspiration, das Thema Behinderungen und die Taboos seiner Cartoons:

Was war Deine Inspiration überhaupt mit dem Zeichen von Cartoons zu beginnen?

Ich habe schon als Kind gerne gezeichnet. Hatte auch vor, Comiczeichner zu werden.

In wieweit beeinflusst Deine eigene Behinderung, Du bist selbst 1985 an MS erkrankt, die Inhalte deiner Cartoons?

Ende 1999/Anfang 2000 hatte ich damit begonnen, „behinderte Cartoons“ zu zeichnen. Da war meine eigene Erkrankung natürlich auch mein erstes Themenfeld. Schließlich kann ich da ja aus eigener Erfahrung und Erlebnissen berichten.

Wie bewertest Du den Satz: „Es dürfen sich nur Menschen, die selbst eine Behinderung haben, über Menschen mit Behinderung lustig machen.“

Ich sehe dies ein bisschen anders. Entscheidend ist für mich, ob der Witz gut ist und nicht wer ihn gezeichnet hat. Das wäre ja wieder so eine Ausgrenzung gegen die man doch eigentlich vorgehen möchte. Muss aber auch sagen, wenn ich nicht  selbst betroffen wäre, würde ich mich an das Thema vielleicht auch nicht so heran wagen. Man sollte schon wissen, worüber man da zeichnet.

Immer wieder liest man in Kommentaren zu Deinen Cartoons, dass Menschen mit Behinderung nicht kritisiert werden dürfen. Wie stehst Du dazu?

Warum nicht? Menschen mit Behinderungen wollen doch als „normale“ Menschen behandelt werden, dann gehört das auch mit dazu. Für meine Arbeit gilt da auch speziell der Satz (ich glaube von Herbert Feuerstein). „ Auch Behinderte haben ein Recht verarscht zu werden.“

Gibt es Deiner Meinung nach Tabus, welche in Cartoons nicht aufgegriffen werden dürfen?

Feste Tabus oder Grenzen gibt da eigentlich nicht für mich. Die Grenze verschiebt sich da eher ständig bei mir. Ich mache keine Witze/Cartoons über Themen, von denen ich absolut keine Ahnung habe und nicht bescheid weiß. Etwas schwer tue   ich mich da auch noch bei Krankheiten/Behinderungen die tödlich enden.

Wie entsteht bei Dir die Idee zu einem neuen Cartoon?

Da gibt es keinen festen Ablauf. Das ist oft sehr unterschiedlich. Manchmal ist der Text zuerst da, und manchmal habe ich das Bild zuerst im Kopf. Oft erlebt man eine Situation im alltäglichen Leben, bei der man glaubt, die funktioniert auch als Cartoon. Andere Sachen denkt man sich aber auch einfach so aus.

Was möchtest Du bei den Menschen auslösen, die deine Cartoons sehen?

Sie sollen lachen und sich darüber amüsieren. Wenn die Cartoons bei Einigen auch noch zum Nachdenken anregen, freut mich dies umso mehr. Es ist aber nicht mein vorrangiges Ziel. Ich möchte nicht den „pädagogischen Zeigefinger“ heben.

Was wünscht Du dir für die Zukunft? Für Dich persönlich, beruflich und deine Cartoons?

Das ich noch eine Weile meine Cartoons weiter zeichnen kann. Hoffe dabei natürlich, noch einige Bücher/Kalender veröffentlichen zu können. Weitere konkrete Ziel habe ich da nicht unbedingt, aber den ein oder anderen kleinen Traum gibt es da schon…

Phil, was motiviert Dich jeden Tag aufs Neue und was möchtest Du anderen MS-Erkrankten oder anderen Behinderten an dieser Stelle mit auf den Weg geben?

Der Spaß an meiner Arbeit und die gute Resonanz, die meine Cartoons finden, spornen mich natürlich an. Ich habe aus meinem Hobby einen Beruf gemacht und kann dabei sogar meine Krankheit mit verarbeiten. Was will ich mehr? Daher auch mein Rat an andere Betroffene, nicht so schnell seine Ziele und Träume aufgeben. Solange es geht, unbedingt weiter machen!

Danke, Phil für Deine Zeit und Deine offenen Worte. Für Deine weiteren Werke wünschen wir Dir maximalen Erfolg!

Wer mehr von Phil Hubbe und seinen Cartoons gibt es auf seiner Webseite: www.hubbe-cartoons.de.

phil_hubbe_homepage


 

mein_letztes_selfieAuch ist sein neustes Buch „Mein letztes Selfie – Behinderte Cartoons 6“ und der Kalender „Handicaps 2017“ im Lappan-Verlag erschienen.

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